Poesie und Alltag

March 31, 2008

Manche Sachen ändern sich nie. Die große Verwunderung, daß drei Tage nach dem Großputz sich wieder Staubflusen in den Ecken zusammenklumpen. Die unfaßbaren Kehrschaufeln voll Staub und Dreck, die ich gerade nach draußen getragen hatten: “Sieh dir das an, ich faß es nicht, wie kommt dieser ganze Dreck in unser Haus?“ Jedes Mal ist das Erstaunen echt.
Doch diesmal ist der Hausputz sehr viel länger als drei Tage her. Aber das Wissen um die Vergänglichkeit von Sauberkeit und die Vergeblichkeit des Putzen hält mich vom selben ab.
Ich scheine doch etwas begriffen zu haben.

my messy room

Es sind die kleinen Dinge im Leben, die mich scheitern lassen. Das, was die meisten Menschen mühelos bewältigen, den Alltag, ohne einen überflüssigen Gedanken daran zu verschwenden, wird für mich ein Verhängnis. Ein Sumpf, in dem ich immer tiefer versinke, von Staubflocken, Schuhbergen, alten Kaffetassen, schmutzigen Kleidern, ein unüberschaubarer Wust von täglichen Verrichtungen, die, wenn ich mal den Überblick verloren haben, unbewältigbar scheinen und mein Dasein lähmen mit dem Ergebnis keinen Fuß mehr aus dem Bett zu bekommen.

Bettisch

Es fängt mit einem steifen Nacken am Morgen an, der über Wochen anhält, mich in meiner Bewegungsfähigkeit lähmt und der Dauerschmerz drückt irgendwann auch auf die Stimmung, obwohl die Sonne scheint mag ich nicht mehr rausgehen. Verstärkt wird der Unmut durch eine Baustelle direkt vor meinem Schlaf- und Arbeitszimmer. Lärmende Bagger mit nervtötendem Rückwärtsfahrgepiepe, Staubwolken, die sich auf das Fensterglas legen und durch jede Ritze dringen. Der Boden ist bald bedeckt von rotem Staub, die Tische, die Bücher, die Töpfchen, die Welt draußen liegt hinter einem ohrenbetäubendem Schmutzschleier. Dem Kampf gegen den Staub bin ich nicht gewachsen und ich gebe auf. Für heute.

fenster

Heinzelmännchen wären das richtige, die überall dort putzen, wo man gerade nicht ist, oder während man schläft und man sieht sie nie und muß sich nicht bedanken, daß sie die Drecksarbeit für einen machen. Aber die gibt es ja nicht mehr, seit die dumme Hausfrau sie unbedingt aufspüren wollte und Erbsen auf der Treppe ausgelegt hat, auf der die armen Wichte ausgerutscht sind und holterdiepolter die Treppe runtergefallen und nie wiedergekommen. Wie ich diese Frau hasse.

Ich bin eine Archivarin meiner Unordnung. Tausend Fotos, von dreckigen Küchen, unordentlichen Zimmern und ungemachten Betten aus allen möglichen Perspektiven aufgenommen, die mein Leben belegen, an den unterschiedlichsten Orten, als würde ich darin eine Antwort finden, oder in der Hoffnung, meine Unfähigkeit als Kunst zu stilisieren. Mehr das letztere.
Ein verzweifelter Versuch meine Schwäche in eine Stärke zu verwandeln.

regal