Hospital
April 30, 2008
Gestern war ich wieder seit langem im Krankenhaus beten. Es ist immer noch die größte Herausforderung für mich, etwas, das ich nicht aus meiner eigenen Stärke heraus machen kann. Ich zittere vor Angst und mein Herz rast, wenn ich das Krankenhaus betrete. Es ist das Provincial Hospital in Hermanus. Das Krankenhaus für die Armen.
Oft stehe ich ratlos vor den Kranken und weiß nicht, was ich sagen soll. So wie gestern vor einer halbnackten irrsinnig fetten Frau, die unter lautem Stöhnen auf einem blutbeflecktem Laken schlief. Andere Patienten sind gar nicht richtig da und sehen mit leeren Augen durch mich hindurch.
Der erste Mann, für den ich je gebetet habe, vor fast einem Jahr, war völlig verbrannt, aber es stieß mich nicht ab, wie ich es erwartet hatte, statt dessen öffnete es mein Herz und ich betete für ihn, ohne nach Worten suchen zu müssen.
Es gibt immer ein paar ganz wunderbare Begegnungen. Eine Frau aus Zimbabwe, bei der floßen die Worte nur so, eine andere, der schenkte ich meine Brille, denn sie war so überrascht tatsächlich damit lesen zu können. Eine Mutter, die ihr Neugeborenes Kind stillte, ein junger Mann, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist und in seinen Träumen läuft und springt.
Ich bin nicht ich selbst, wenn ich im Krankenhaus stehe und ich habe ein Mitgefühl für diese Menschen, das ich bei mir sonst nicht kenne. Das ist das Beste daran, das rückt mich wieder auf den richtigen Platz, etwas zu tun, das so komplett meinem eigenen Willen und Interessen entgegengesetzt ist. Das Letzte, was ich tun will, zu tun.
Ich begleite eine ganz wunderbare ältere Dame, sie ist so groß wie ich und es sieht so aus, als sei ich die Tochter, die sie nie hatte. Sie selbst war als junges Mädchen sehr krank und die Ärzte hatten sie schon aufgegeben, da kam Jesus in ihr Zimmer und heilte sie. Innerhalb einer Woche war sie auf den Beinen und ging wieder zur Schule.
Sie ist voller Glauben und hat schon viele Wunder gesehen. Ich liebe es, ihre Geschichten zu hören. Mit den Wundern ist es ja so: Je mehr man an sie glaubt, desto häufiger geschehen sie.
Durchbruch
April 27, 2008

Der nächtliche Kältegrad läßt sich am morgendlichen Fensterbeschlag ablesen.
Heute Morgen roch es nach Winter. Obwohl es nicht besonders kalt war und sich ein sonniger Tag ankündigte, war es feucht und roch nach kalter Asche. Fast ein Berliner Wintergeruch. Eine neue Jahreszeit beginnt. In jeder Hinsicht.
Es ist merkwürdig und wunderbar, wie ein Durchbruch nach dem anderen in jedem Bereich unseres Lebens geschieht. Alles, was festhakte und nicht weiterging löste sich mit einem Mal. Es war, als hätten wir in den letzten Monaten vor einer Wand gestanden, die auf einmal zusammenfiel und den Weg freigab.
Es begann mit dem neuen Zimmer, das den Lärmtransit beendete. Plötzlich war Frieden und Ruhe. Dann das Auto, für das wir solange gebetet hatten. Und das größte Wunder von allen: Sven ist von seinem schrecklichen Ausschlag geheilt und ein neuer Mensch.
Selbst Kleinigkeiten fügten sich: Der Gartendienst stand neulich einfach vor der Tür und ein netter Mann bot sich an, unsere verwahlosten Beete in Ordnung zu bringen. Der Abwassertank, der seit Monaten vor sich hinstank wurde geleert. Selbst das Haus scheint sich wie von selbst in Ordnung zu halten. Alles, was vorher unerreichbar und mühsam erschien, ist jetzt leicht und mühelos.
Es ist als hätte der Himmel seine Tore geöffnet.
Samstag
April 26, 2008

Sitzordnung

Notdürftige Verkleidung

Sven im Baum

Luzie auf der Bank

Auf dem Weg zurück

Frohes Fahren
Besuch bei Freunden auf der Farm, die eine Hochzeit für 240 Leute ausrichteten, um ihnen bei den letzten Vorbereitungen zu helfen.
Wir zogen den Plastikstühlen weiße Hochzeitskleider an, ich dekorierte ein Stück unverkleidete Zeltwand notdürftig mit Schleiern und Sven fummelte in 10 Metern Höhe Kabel an die Lichter.
Ich habe in nur drei Tagen gelernt Gangschaltung zu fahren! Das Auto fährt sich fantastisch.
Reine Freude!
Bierbichler
April 26, 2008
Diese Ankünigung bekam ich heute. Großartiger Film! unbedingt ansehen!

Dokumentarfilm von Regina Schilling
90`Minuten
Samstag, den 26.04.2008 um 20:15 Uhr im Bayerischen Rundfunk
Anschließend: Hierankl, Winterschläfer, Servus Bayern
Seit seiner Geburt 1948 lebt Joseph Bierbichler in Ambach am Starnberger See, in seinem Geburtshaus, dem Gasthof “Zum Fischmeister“. Der Film begleitet Bierbichler über den Zeitraum von zwei Jahren, in denen Veränderungen für ihn anstehen. Bierbichler möchte nicht mehr nur der Schauspieler sein, der auf der Bühne steht und den Text eines Autors aufsagt, inszeniert vom Regisseur. Er sucht nach neuen künstlerischen Wegen, will die hierarchischen Strukturen des Theaterbetriebs aufbrechen.
Im Juni 2006 hatte “Holzschlachten. Ein Stück Arbeit” Premiere an der Berliner Schaubühne. Alles an diesem Projekt basiert auf Bierbichlers Ideen. Er ist Schauspieler, Regisseur und Dramaturg in einer Person.Der Film begleitet ihn bei den Vorbereitungen in Ambach, wo er eigenhändig Bäume fällt und nach Berlin transportiert, bis zur Premiere an der Schaubühne.
In Interviews mit Regina Schilling gibt er offen Auskunft über seine Hassliebe zum Theater, über den Ursprung und die Sehnsucht nach der Kunst, darüber wie er mit dem Schauspielerdasein hadert und auf der Suche nach neuen Wegen ist.
In Köln noch einmal im Kino zu sehen:
Am Sonntag, 27. April um 16 Uhr in der Filmpalette
Faith and Fear
April 25, 2008
The first pig lilly in our garden

Fear: False evidence appears real.
Faith: The substance of things hoped for.
If you believe what you don’t see you will see what you believe.
Was für ein Tag
April 24, 2008

war das gestern. Wir haben endlich ein neues Auto. Seit zwei Jahren wünschen wir uns ein Auto, brauchten es dringend, aber wir hatten nicht das Geld und konnten uns nie richtig entscheiden. Nichts ist schwieriger als ein Auto zu kaufen. Platz sollte es haben, schön sein, alt und doch neu, sparsam, zuverlässig, automatik, Leder, luxeriös und doch simpel und nicht Weiß!
Wir haben glaube ich die erwachsenste Entscheidung unseres Lebens getroffen mit diesem Auto. Es ist so häßlich, daß Sven beim Kauf sagte: “Ich fürchte mich vor den Kindern.”
Die Kinder waren gnädig. Sie sagten, sie würden braune Papiertüten über ihre Köpfe ziehen, wenn sie darin fahren, damit niemand sie erkennt.
Das Auto ist das Gegenteil von fast allem, was wir wollten und doch finden wir beide, es war die perfekte Wahl. Es ist weiß! es ist manual! Es hat Stoffsitze und ist supersimpel. Aber es ist hoch und groß, Platz für 10 Leute! Hat eine durchgehende Vorderbank! Ist Diesel und das unverwüstlichste Auto, das je gebaut wurde.
Wir sahen uns an und sagten, “kannst du es glauben? Wir haben ein Auto! Wir können überall hinfahren, so weit wir wollen.” Unser Bewegungsradius von max. 50 km, den unser alter BMW erlaubte, war durchbrochen. Plötzlich liegt uns die Welt vor Füßen. Laß uns die Welt entdecken, nach Thailand fahren! Ein neues Leben beginnt!
Jetzt muß ich nur noch lernen es zu fahren.

Die Küchentür, von Luzies Hand durchstoßen
Später am Tag lag ich in meinem Zimmer, die Kinder tobten im Haus, Anton hatte einen Freund zu Besuch, da hörte ich Glas klirren. Dann war Stille, was mich sofort alamierte und dann schrie Luzie, leise und verzweifelt.
Das Fenster der Küchentür lag in Scherben, sie stand mit blutender Hand über dem Waschbecken panisch, entsetzt, unter Schock: “Mein Finger, ich hab meinen Finger durchgeschnitten”. Die Jungs standen ganz still, ich nahm ein Handtuch und wickelte es um ihre Hand, um die Blutung zu stoppen. Sie war außer ich. Aidan, Antons Freund sagte: “let`s pray” und das war auch das einzige, was mir einfiel. Die Jungs und ich beteten für Heilung, für ein Wunder, daß nichts ernsthaft verletzt sei, daß die Blutung stoppen würde. Ich gab ihr Rescue Tropfen und Arnica, legte sie aufs Bett. Sie wimmerte nur, “ich kann meinen Finger nicht mehr spüren, was jetzt? was jetzt? das ist so tief, das ist so tief”. Sven kam vom Schwimmen zurück und fuhr sie sofort zum Doktor, der hatte aber geschlossen. Als sie zurückkamen fühlte sie sich schon viel besser.
Wir nahmen das Handtuch ab und es hatte wie ein Wunder kaum geblutet. Der Schnitt war tief, aber sie hatte wieder ein Gefühl in ihrem Finger und konnte ihn bewegen. Sven desinfizierte die Wunde, legte einen großen Verband an und Luzie legte sich um 7 erschöpft schlafen. Heute Morgen ging sie putzmunter und ein wenig stolz auf den großen weißen Verband in die Schule.

Sven jagt den Monsterfalter
Ich hatte Abends zu lange meine Tür zum Garten aufgelassen und ein riesiger Falter in Fledermaußgröße hatte sich ins Zimmer verirrt. Ich schloß die Türen, ging hinaus und hatte ihn schon vergessen als wir später im Bett lagen, als wir ein merkwürdiges Geräusch hörte. Der Falter flog wie ein Kampfflieger im Tiefflug durch das Zimmer. Sven hielt ihm Heldenhaft stand mit einem T-Shirt bewaffnet, das er versuchte über ihn zu werfen wie ein Netz, während der Falter ihm um den Kopf flog, was ihm schließlich auch gelang. Dann war endlich Ruhe
Heimat II
April 23, 2008

7Uhr25
Heimat für mich , ist ein Ort, den es noch zu finden gilt, nicht einer, der schon immer da war. Ein Ort, der noch vor mir liegt, nicht einer, an den ich zurückgehen muß.
Lange brauchte ich, um zu begreifen, daß ich Sehnsucht nach einer Heimat hatte, die es nicht mehr gab und vielleicht nie gegeben hat.
Ich habe manchmal diese Bilder von einem Haus, von einem Ort, vor meinen Augen, zu kurz um genau zu erkennen, manchmal denke ich, es sei irgendwo in Amerika und weiß nicht, ob es ein Filmbild ist, das in meinem Kopf hängengeblieben ist. Aber dazu ist das Gefühl zu intensiv, das es auslöst. Ein Gefühl des Zuhauseseins; so aufgehoben und geborgen wie Daumenlutschen.
Ich erinnere mich noch an die restlose Zufriedenheit, wenn ich meinen Daumen in den Mund steckte. Manchmal wünschte ich, ich hätte nie aufgehört Daumenzulutschen. Nichts hat diese Geborgenheit je wieder erreicht.
Im Himmel
April 22, 2008
bin ich in meinem schönen neuen Zimmer



Morgenmond
April 22, 2008
Rain Spider
April 21, 2008

This is Africa
Nachts ist es jetzt Winterkalt. Ich schätze es hat um die 7 Grad draußen. Morgens sind die Fenster innen beschlagen. Sobald die Sonne scheint ist es wieder Sommer.
Luzies Zimmer war für zwei Tage nicht zu benutzen, weil eine dicke Spinne an der Wand über ihrem Bett saß. Man nennt sie rain spider, weil sie gerne das Trockene suchen, bevor der Regen kommt. Diese Spinnen sind ungefährlich, können unheimlich schnell rennen und sind ungelogen Hamdtellergroß. Meine Mutter sagt, sie holt sie mit dem Besen runter, schmeißt ein Handtuch auf sie drauf, wickelt sie darin ein und trägt sie ins Freie. So mutig bin ich nicht und Sven war verreist, also blieb sie und Luzie zog bei mir ein.
In der Nacht begann es zu regnen. Ich stand auf, kurbelte die Autofenster hoch und holte die Gartenstühle rein. Am nächsten Tag war die Spinne verschwunden, was noch unheimlicher war, denn irgendwo mußte sie sein. Abends saß sie wieder an der Decke. Wir lasen, daß sie sich bei Licht nur wenig bewegen und gerne im Dunkeln herumlaufen. Wir ließen nachts das Licht im Zimmer an, um sie unter Kontrolle zu haben.
Luzie fragte mich, ob wir nicht Zimmer tauschen könnten, auf Dauer, nicht wegen der Spinne, aber ihr gefiel mein Schlafzimmer auf einmal so gut. Ich zierte mich ein wenig, dann ließ ich sie einen Vertrag aufesetzen in dem mein Recht verzeichnet war, so lange ich wollte in diesem Zimmer bleiben zu dürfen und sie mußte sich verpflichten mich nicht zu fragen, ob ich tauschen wollte.
Luzies Zimmer ist das Schönste von allen. Es hat eine Tür zu einem eigenen kleinen Garten und es liegt von der Straße abgewandt. Ich hatte mich tagsüber, wenn sie in der Schule war, zum Schreiben dorthin verzogen.
Letzte Nacht kam weiterer Tierbesuch in die Wohnung. Ich war aufgestanden, weil die Hunde unruhig waren und als ich sie rausließ, lief eine der Katzen an mir vorbei und legte etwas auf dem Boden ab, das wie ein totes Tier aussah. Es stellte sich als lebender Frosch heraus, den die Katze fasziniert betrachtete und der hop hop hinters Sofa hüpfte. Ich beschloß ihn genauso wie die Spinne zu ignorieren und ging wieder ins Bett.
Als ich heute Morgen aufstand, saß der Frosch vor der Haustür, neben ihm die Katze, ganz friedlich, als hätte sie einen Freund gefunden. Ich öffnete die Tür und Der Frosch hüpfte hop hop wieder hinaus. Die Sonne schien und der Vollmond hing im blauen Himmel.
Inzwischen ist Sven wieder zurück, hat die Spinne beseitigt, wir haben die Zimmer umgeräumt und ich kann vom Bett aus die Sterne durch die Gartenentür sehen.




