Fremde
April 18, 2008
Die 17jährige Tochter einer Freundin, die noch nie das Land verlassen hat, fragte mich neulich bei Mac Donalds, wie es sich anfühlt, fremd zu sein.
Ich war im ersten Moment geschockt, daß sie mich als Fremde sieht. Es ist für mich ein so selbstverständlicher Zustand, daß ich nicht darüber nachdenke. Ich vermisse meine Freunde, bekomme gelegentlich Heimwehattacken, daran habe ich mich gewöhnt. Das ist der Preis den ich zu zahlen habe, für das Leben, das ich gewählt habe. Sie hat Recht. Ich bin fremd. Aber in meinen Augen gehört sie - weißhäutig und afrikaanssprechend - genauso wenig hierher wie ich. Auch wenn sie hier geboren wurde. Wir beide unterhalten uns in einer Sprache, die nicht unsere Muttersprache ist. Jeder ist fremd in diesem Land. Die afrikanische Bevölkerung ist eingewandert, die Buschmänner, die einzigen Ureinwohner, fast vollständig ausgerottet. Engländer, Afrikaner, Zulus, Khosas, Sothos… Alle von irgenwo irgendwann in dieses Land gekommen. Fremdsein fällt hier nicht weiter auf. Deshalb sind wir wahrscheinlich immer noch hier.
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