Rauchen – Nichtrauchen
September 8, 2009
Heute nahmen wir einen Mann mit. Er sprach uns in Spar an und kannte Sven aus Stanford und fragte, ob wir ihm einen lift geben können.
Als er ausgestiegen war, sagte ich zu Sven, “der roch so gut nach Lagerfeuer. An einem kalten, nassen Tag wie diesem hat dieser rauchige Geruch direkt etwas wärmendes”.
Sven sagte, “ist das dein Ernst? Er roch nach dem billigsten Tabak, den du kaufen kannst, der sieht aus wie Heu und alle Penner stinken danach.”
Es ist ungwöhnlich, daß ich etwas für wohlriechend halte, was für Sven stinkt. Meistens stinkts mir und er riecht gar nicht.
Lange hat mich gestört, dass er nach Rauch gerochen hat, wenn ich nicht rauchte. Ich rieche Rauch 20 Meter gegen den Wind. Als Sven einmal aufgehört hatte zu rauchen, ging ich eines Tages dem Rauchgeruch nach, der in mein Zimmer wehte und fand ihn in der hintersten Ecke des Gartens heimlich rauchen. Ich bereute, das getan zu haben, weil er von da an wieder offiziell rauchte und sich nicht mehr verstecken musste.
Seit mehr als einem Jahr rauchen wir beide nicht mehr. Endgültig. Ich hörte auf aus Solidarität zu ihm. Ich habe über 20 Jahre lang geraucht, ohne eine richtige Raucherin zu sein. Ich konnte an einem Abend eine Schachtel wegqualmen und dann für Tage nicht rauchen, bis ich einen Schluck Alkohol zu mir nahm. Es war mir unmöglich zu widerstehen sobald ich trank. Rauchen und Trinken gehörten zusammen. Nicht selten musste ich deshalb ein Bier aufmachen, damit ich eine Zigarette rauchen konnte. da ich tagsüber nicht trinke, rauchte ich nur abends.
Seit ich aufgehört habe, habe ich heimlich die eine oder andere Zigarette geraucht, wenn ich getrunken habe. Meine letzten beiden Zigaretten waren die besten. Ich habe sie am Neujahrsmorgen geraucht. Jede einzelne habe ich genossen, wie nichts anderes zuvor. Jeden einzelnen Zug habe ich eingezogen, als gäbe es kein Morgen, und Mann, war das gut! Noch nie haben Zigaretten so geschmeckt.
Das erstaunlich ist, das war nicht der Anfang, sondern das Ende. Von diesem Tag an, habe ich nie wieder Lust verspürt zu rauchen. Wenn ich jetzt ein Glas Wein trinke, habe ich vergessen, daß für mich eine Zigarette dazugehörte. Das fiel mir neulich auf. Ich denke nicht einmal mehr daran. Unvorstellbar war das noch vor einem Jahr.
Ich habe an diesem Neujahrmorgen für immer Abschied vom Rauchen genommen. Und was für würdiger ein Abschied.